Mietrecht: Mieter will nicht mehr einziehen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Mietrecht: Mieter will nicht mehr einziehen

      Hallo,
      ich brauche einen Rat zu folgender Sachlage:

      Ich habe eine Mietwohnung, die ein junger Mann zum 15.6. beziehen wollte. Unterschrieben wurde der Mietvertrag von ihm am 13.5., also ca. 4 Wochen vor Mietbeginn. Am 10.6. teilte der Mieter per Whatsapp mit, dass er nun doch nicht einziehen wolle. Ich schrieb ihm, dass das so nicht ginge, er müsse kündigen und am besten sofort einen Nachmieter suchen. Ich würde ihn dabei auch unterstützen. Daraufhin kamen mehrere freche Nachrichten und der Kontakt brach ab, weil man sich ja schließlich auch nicht beschimpfen lassen muss. Ich habe natürlich versucht den finanziellen Schaden klein zu halten und die Wohnung zum 1.7. wieder vermieten können. Ich forderte dann den jungen Mann auf, wenigstens die halbe Miete zu bezahlen vom 15.6. bis 30.6. zu zahlen und die Sache wäre damit erledigt.
      Jetzt kam ein Schreiben von ihm. Er habe sich anwaltlichen Rat geholt. Es wäre kein Mietvertrag zu Stande gekommen, da meine Frau diesen an meiner Stelle unterschrieben hat und keine Anmerkung vorhanden sei, dass sie mich vertreten würde. ( Wir haben und schon vor Jahren gegenseitige Vollmachten erteilt. ) Fakt ist aber: meine Frau hat den jungen Mann davon in Kenntnis gesetzt, dass sie bevollmächtigt sei den Vertrag zu unterschreiben. Sie bot ihm an die Vollmacht rauszusuchen, was er aber ablehnte. Erwähnt wurde diese Bevollmächtigung im Vertrag nicht, weil es bisher nie nötig war.
      Wie sieht die Rechtslage aus? Ich konnte leider keine eindeutigen Aussagen finden, was die Erwähnung einer Bevollmächtigung in Verträgen anbetrifft.
      Vielen Dank schon mal für die Hilfe !
    • Hallo Oliver669,

      nach § 167 Abs. 2 BGB bedarf die Vollmacht nicht der für das Rechtsgeschäft vorgesehenen Form. Insofern musste Ihre Frau keine schriftliche Vollmacht zu Vertragsschluss vorlegen. Allerdings bei der Stellvertretung eine eigene Willenserklärung des Vertreters im Namen des Vertretenen abgegeben werden. Das nennt der Jurist Offenkundigkeitsprinzip. Es musste also nach den äußeren Umständen des Vertragsschlusses deutlich werden, dass Ihre Frau in Ihrem Namen den Mietvertrag unterschrieben hat. Insofern bietet sich ein solcher Vermerk an, ist aber nicht zwingend notwendig. Es genügt, wenn sich aus den äußeren Umständen ergibt, dass Ihre Frau den Vertrag in Ihrem Namen abschließen wollte.

      Des Weiteren kommt auch eine nachträgliche Genehmigung des Vertrages durch Sie in Betracht. Nach § 177 Abs. 1 BGB hängt die Wirksamkeit eines Vertrages, der von einem Vertreter ohne Vertretungsmacht abgeschlossen wird, von der Genehmigung des Vertretenen ab. Diese Genehmigung kann ausdrücklich erfolgen oder durch schlüßiges Handeln. Indem Sie den vermeindlichen Mieter zur Mietzahlung aufforderten, haben Sie deutlich gemacht, dass Sie den Mietvertrag genehmigen. Somit liegt nach Ihrer Darstellung ein wirksamer Mietvertrag vor, aus dem sich u. a. die Pflicht zur Zahlung der Miete ergibt.

      Genauere Auskünfte kann man Ihnen natürlich nur bei vollumfänglicher Kenntnis des Sachverhaltes erteilen. ich hoffe, es war trotzdem hilfreich.
      Da es sich in Rechtsangelegenheiten empfielt, einen Anwalt zu befragen, können Sie gern unter der Telefonnumer 0345 292670 einen Termin in unserer Kanzlei vereinbaren. Unser kompetentes und erfahrenes Team von Rechtsanwälten und Steuerberaten nimmt sich Ihrer Sache gern an. Wir sind bundesweit für Sie tätig. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Internetseite halle.law.